Befreiung gebundener Ganztag: Antragsformular mit genehmigtem Nachmittag

Befreiung gebundener Ganztag: Antrag, Gründe, Fristen

Gilt für:Alle Schularten·Zuletzt geprüft: August 2026

Befreiung gebundener Ganztag: Im gebundenen Ganztag ist die Teilnahme verpflichtend, der Nachmittag ist Teil des Schultags. Eine Abmeldung wie beim offenen Ganztag gibt es deshalb nicht ohne Weiteres. In Bayern etwa ist eine dauerhafte Abmeldung im Schuljahr nur aus wichtigen persönlichen Gründen möglich, die bei der Anmeldung noch nicht absehbar waren. Pflicht im offenen und gebundenen Ganztag erklären wir im Detail in einem eigenen Grundlagenartikel. Wer nur einzelne Nachmittage frei bekommen will, braucht kein Kündigungsschreiben, sondern einen Antrag auf Befreiung oder Beurlaubung.

Die Regelungen unterscheiden sich je Bundesland. Maßgeblich sind die Vorschriften deines Bundeslandes und die Satzung deiner Kommune. Dieser Ratgeber gibt allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung im Einzelfall. Regelungen nach Bundesland im Überblick →

Befreiung oder Beurlaubung — der Unterschied entscheidet über den Antrag

Die beiden Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen, und die Länder verwenden sie unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen gilt nach der Bezirksregierung Arnsberg:

  • Befreiung betrifft einzelne Unterrichts- oder Schulveranstaltungen, etwa einen bestimmten Nachmittag. Dein Kind bleibt im Ganztag angemeldet.
  • Beurlaubung heißt: Dein Kind ist aus wichtigem Grund für einen abgegrenzten Zeitraum vom Unterricht freigestellt, in NRW bis zur Dauer eines Schuljahres, zum Beispiel für eine Kur.

Beide beruhen in NRW auf § 43 Absatz 4 des Schulgesetzes: Die Schulleitung kann Schülerinnen und Schüler auf Antrag der Eltern aus wichtigem Grund beurlauben oder von einzelnen Unterrichts- oder Schulveranstaltungen befreien. Längerfristige Beurlaubungen und Befreiungen brauchen die Zustimmung der Schulaufsicht. In Bayern heißt der Antrag für einzelne Tage im Ganztag Beurlaubung: Die Bekanntmachungen zum Ganztag sehen sie auf Antrag in Textform vor, ergänzend gilt § 20 der Bayerischen Schulordnung. Wie Beurlaubung und Abmeldung in Bayern bei OGTS und GGTS laufen, erklärt der Ratgeber Ganztag abmelden Bayern. Für andere Länder gilt das Schulrecht des jeweiligen Landes.

In NRW und Bayern entscheidet die Schulleitung, nicht die Klassenlehrkraft und nicht das pädagogische Personal am Nachmittag. Eine Absprache im Flur ersetzt keinen Antrag. Wie die Schulaufsicht das in NRW auslegt, zeigt die Seite der Bezirksregierung Arnsberg zu Beurlaubung und Befreiung.

Befreiung gebundener Ganztag: welche Gründe tragen

Das NRW-Schulgesetz verlangt einen „wichtigen Grund“, ohne ihn zu definieren. Der Katalog ist damit offen: Du musst deinen Fall nachvollziehbar begründen. Auch in Bayern gibt es für die Dauerabmeldung keine Liste, dort muss der Grund wichtig und persönlich sein und durfte bei der Anmeldung noch nicht absehbar sein.

Besonders klar ist die Lage in Nordrhein-Westfalen. Der Ganztags-Erlass hält fest, dass Schulen sicherstellen sollen, dass Kinder an herkunftssprachlichem Unterricht, an regelmäßigen außerschulischen Bildungsangeboten wie Sportverein, Musikschule oder Musikunterricht, an ehrenamtlichen Tätigkeiten in Vereinen, Kirchen und Jugendgruppen sowie an Therapien teilnehmen können. Auch familiäre Ereignisse gelten als anerkannter Grund. Wer dort einen Vereinstermin geltend macht, argumentiert also nicht gegen den Erlass, sondern mit ihm. Dass Vereine ihr Training sogar im Ganztag selbst anbieten können, beschreibt der Ratgeber Ganztag und Verein.

Als Gründe genannt werden in den amtlichen Regelungen:

  • Regelmäßige außerschulische Bildungsangebote und Ehrenamt, etwa Sportverein, Musikschule oder Jugendgruppe (NRW-Erlass; in Bayern beim offenen Ganztag ausdrücklich als Gesichtspunkt genannt)
  • Therapietermine (NRW-Erlass)
  • Herkunftssprachlicher Unterricht (NRW-Erlass)
  • Gesundheitliche und familiäre Gründe (NRW-Erlass; Bayern beim offenen Ganztag: persönliche, gesundheitliche oder familiäre Gründe)

Ob ein anderer Wunsch reicht, etwa mehr Freizeit oder Unzufriedenheit mit dem Nachmittagsprogramm, ist nicht festgelegt und liegt im Ermessen der Schulleitung. Für eine dauerhafte Abmeldung gelten in Bayern strenge Maßstäbe. In solchen Fällen ist ein Gespräch mit der Schulleitung oft der bessere erste Schritt als ein förmlicher Antrag. Nützlich ist ein Nachweis, bei gesundheitlichen Gründen etwa ein ärztliches Attest.

Der Zeitpunkt: früh beantragen

Schulen planen Gruppen, Personal und Angebote vor Schuljahresbeginn. Wer regelmäßige Termine früh ankündigt, kann eingeplant werden. Wer erst mitten im Schuljahr kommt, stört eine fertige Planung. Das ist eine Erfahrungsregel, keine Rechtsvorschrift, aber sie spricht für einen frühen Antrag.

Praktisch heißt das: Regelmäßige Befreiungen möglichst vor Schuljahresbeginn beantragen, am besten zusammen mit der Anmeldung. Einzelne Termine meldest du rechtzeitig vorher an. Manche Schulen nennen im Vertrag oder in der Schulordnung eine feste Vorlaufzeit, frag danach.

Und eine Erwartung solltest du gleich korrigieren: Einen Rechtsanspruch auf Befreiung gibt es nicht. Die Schulleitung entscheidet nach pflichtgemäßem Ermessen und wägt die Gründe gegen die schulischen Interessen ab.

Was in den Antrag gehört

  1. Adressat: die Schulleitung, nicht die Klassenlehrkraft. Die Lehrkraft kann den Antrag weiterleiten, entscheiden darf sie nicht.
  2. Der genaue Umfang: welcher Wochentag, ab welcher Uhrzeit, ab welchem Datum und bis wann. „Dienstags ab 14:30 Uhr, ab dem 15. September, für das Schuljahr 2026/2027“ — nicht „dienstags nachmittags“.
  3. Der Grund, sachlich und kurz. Ein oder zwei Sätze genügen.
  4. Ein Nachweis im Anhang: Vereinsbescheinigung mit Trainingszeiten, Terminplan der Praxis oder ärztliche Bescheinigung.
  5. Die Regelung zum Nachhauseweg: Wer holt das Kind ab, oder darf es allein gehen? Schulen brauchen diese Angabe wegen der Aufsichtspflicht.
  6. Die Bitte um eine schriftliche Entscheidung. Eine mündliche Zusage hilft dir nicht, wenn im Februar ein neues Team am Nachmittag arbeitet.

Eine anpassbare Vorlage findest du in unserer Musterbrief-Sammlung. In Bayern stellst du den Antrag vorher in Textform, etwa per E-Mail oder Brief.

Wenn die Befreiung nicht reicht

Manchmal ist nicht ein einzelner Nachmittag das Problem, sondern der gesamte Tagesrhythmus. Dann führt die Befreiung nicht weiter, und es bleiben zwei Wege.

Der erste ist ein Wechsel in eine Klasse ohne Ganztag. Ob und wann das geht, regelt das jeweilige Land. In Bayern ist der Wechsel nicht ausdrücklich geregelt, das Halbtagsangebot muss dort in zumutbarer Entfernung bestehen, nicht unbedingt an derselben Schule. Frag die Schulleitung und lass dir die Antwort schriftlich geben. Der zweite ist der Schulwechsel über einen Gastschul- oder Schulbezirksantrag. Er ist aufwendiger und bleibt, wenn die eigene Schule keinen Wechsel anbietet. Beides erklären wir unter Schulwechsel statt Abmeldung.

Im offenen Ganztag ist die Lage anders: Dort ist eine Abmeldung unter den Bedingungen des Landes möglich, die Anmeldung bindet aber in der Regel für ein Schuljahr. Welche Fristen gelten, steht unter Abmeldefrist und Kündigung zum Halbjahr. Einen Überblick über alle Wege gibt die Übersicht Ganztag abmelden.

Häufige Fragen zur Befreiung vom gebundenen Ganztag

Habe ich einen Anspruch auf Befreiung vom gebundenen Ganztag?

Nein. Über Befreiungen und Beurlaubungen entscheidet die Schulleitung im Einzelfall nach Ermessen. In NRW sollen Schulen nach dem Ganztags-Erlass aber sicherstellen, dass Kinder an Sportverein, Musikschule, Ehrenamt oder Therapie teilnehmen können. Mit einem solchen Grund hast du gute Argumente.

Wer entscheidet über meinen Antrag?

In NRW und Bayern die Schulleitung. Klassenlehrkräfte und das pädagogische Personal am Nachmittag können den Antrag weiterleiten, entscheiden aber nicht. Richte den Antrag deshalb ausdrücklich an die Schulleitung.

Kann ich mein Kind dauerhaft für einen Wochentag befreien lassen?

Das hängt vom Land und von der Schule ab. Bei regelmäßigen Terminen beantragst du die Befreiung für das ganze Schuljahr und legst eine Bescheinigung mit den festen Zeiten bei. Ein Anspruch besteht nicht. In Bayern ist eine dauerhafte Abmeldung, auch nur vom fünften Wochentag, nur aus wichtigen persönlichen Gründen möglich, die bei der Anmeldung noch nicht absehbar waren.

Was ist der Unterschied zwischen Befreiung und Beurlaubung?

In NRW betrifft eine Befreiung einzelne Veranstaltungen, etwa einen bestimmten Nachmittag. Eine Beurlaubung gilt für einen abgegrenzten Zeitraum, bis zur Dauer eines Schuljahres. In Bayern heißt der Antrag für einzelne Tage im Ganztag Beurlaubung. Die Begriffe hängen vom Land ab.

Muss ich einen Nachweis beilegen?

Das hängt von der Schule und vom Grund ab. Ein Nachweis wie eine Vereinsbescheinigung mit Trainingszeiten oder ein Terminplan der Praxis macht deinen Grund für die Schulleitung nachvollziehbar und ist deshalb zu empfehlen.

Fazit

Die Befreiung vom gebundenen Ganztag ist oft der passendere Weg, wenn nicht der ganze Ganztag das Problem ist, sondern ein fester Termin. Entscheidend sind drei Dinge: der richtige Adressat, ein belegter Grund und ein früher Antrag. Einen Anspruch darauf gibt es nicht, aber mit einem nachvollziehbaren Grund und rechtzeitigem Antrag sind deine Aussichten besser, als wenn du erst kurzfristig fragst.

Quellen

Dieser Beitrag wurde unter Einsatz von KI-Werkzeugen redaktionell erstellt und von der Redaktion geprüft.