Ganztagsschule Kosten: Viele Eltern erwarten hohe monatliche Gebühren — dabei ist das schulische Angebot in den meisten Bundesländern beitragsfrei. Bezahlt wird an anderer Stelle, und die unterscheidet sich von Land zu Land erheblich. Hier findest du alle 16 Bundesländer in einer Tabelle, dazu die Posten, die in keiner Übersicht stehen, und die Entlastungen, die regelmäßig liegen bleiben.
Ganztagsschule Kosten: Das Grundprinzip
Die gebundene Ganztagsschule nimmt rechtlich eine Sonderstellung ein: Da die Teilnahme für alle Schülerinnen und Schüler verpflichtend ist und mindestens sieben Stunden an drei Wochentagen umfasst, gilt sie nicht als reine Betreuungsleistung, sondern als Teil des regulären Schulbetriebs. Für die Pflichtzeiten dürfen deshalb in der Regel keine Elternbeiträge erhoben werden — anders als bei der offenen Ganztagsschule, wo Nachmittagsangebote als zusätzliche Betreuungsleistung gelten und damit kostenpflichtig sein können.
Die einzige bundesweit übliche Ausnahme ist das Mittagessen: Da hierfür echte Sachkosten anfallen, dürfen Schulträger dafür ein Entgelt verlangen — unabhängig davon, ob die Schule gebunden oder offen organisiert ist. Den bundesrechtlichen Rahmen für den Ganztagsanspruch selbst setzt das Ganztagsförderungsgesetz — die konkreten Beiträge legen dagegen die Länder und Kommunen fest.
Was ist kostenlos, was kostet etwas?
| Bestandteil | Üblicherweise kostenlos? |
|---|---|
| Regulärer Unterricht | Ja |
| Lernzeiten / Übungszeiten | Ja |
| Pflichtbetreuung der Kernzeit (z. B. 8–16 Uhr) | Ja, in fast allen Bundesländern |
| Mittagessen | Nein, kostenpflichtig (mit Ermäßigungen) |
| Randzeitenbetreuung (vor 8 Uhr, nach 16 Uhr) | Oft kostenpflichtig oder separat organisiert |
| Ferienbetreuung | Häufig kostenpflichtig oder über externe Träger |
| Zusätzliche AGs / Wahlkurse | Teils kostenpflichtig, abhängig vom Anbieter |
Was genau unter Randzeitenbetreuung fällt, erklärt unser Lexikon. Wie die Betreuung in den Schulferien geregelt ist und wo die Lücken liegen, steht im Ratgeber zur Ferienbetreuung im Schuljahr 2026/2027.
So unterschiedlich sind die Kosten gebundene Ganztagsschule je Bundesland
Das Grundprinzip ist bundesweit ähnlich, die Umsetzung nicht. Diese Übersicht zeigt für alle 16 Länder, was das schulische Angebot kostet und wo zusätzlich Geld fällig wird:
| Bundesland | Schulisches Ganztagsangebot | Was zusätzlich kostet |
|---|---|---|
| Baden-Württemberg | kostenfrei | Mittagessen · kommunale Betreuungs- und Kernzeitangebote |
| Bayern | kostenfrei (OGTS und GGTS) | Mittagessen · Mittagsbetreuung · Hort |
| Berlin | beitragsfrei bis Klasse 3 | ab Klasse 4 einkommensabhängig · Mittagessen bis Klasse 6 frei |
| Brandenburg | schulische Angebote kostenfrei | Hort nach kommunaler Satzung · Mittagessen |
| Bremen | kostenfrei | Mittagessen als Monatsbeitrag: 45 € gebunden, 60 € offen · Hort · Randzeiten |
| Hamburg | kostenfrei von 8 bis 16 Uhr | Randzeiten und Ferien einkommensabhängig · Mittagessen |
| Hessen | kostenfrei nur bis 14:30 Uhr | ab 14:30 Uhr Beiträge des Schulträgers · Mittagessen · Ferien |
| Mecklenburg-Vorpommern | beitragsfrei, auch der Ferienhort | Verpflegung ausdrücklich ausgenommen |
| Niedersachsen | kostenfrei | Mittagessen · Hort |
| Nordrhein-Westfalen | OGS kostenpflichtig, kommunal per Satzung | Mittagessen · Ferienbetreuung — aber Befreiung bei mehreren Sozialleistungen |
| Rheinland-Pfalz | Angebotsform kostenfrei | Betreuende Grundschule kostenpflichtig — und häufiger als die Ganztagsschule |
| Saarland | landesweit einheitlich: 30 € kurz, 60 € lang | ermäßigt 20 und 40 € · Mittagessen |
| Sachsen | Ganztagsangebote kostenfrei | Hort nach kommunaler Regelung · Mittagessen |
| Sachsen-Anhalt | schulische Angebote kostenfrei | Hort einkommensabhängig · keine Geschwisterermäßigung für Hortkinder |
| Schleswig-Holstein | Betreuung kostenpflichtig | Träger legt Beiträge fest · Mittagessen |
| Thüringen | schulische Angebote kostenfrei | Hort nach Satzung des Schulträgers · Mittagessen |
Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens verläuft die Trennlinie nicht zwischen gebundener und offener Form, sondern zwischen schulischem Angebot und Betreuungsvertrag. Wo du etwas unterschrieben hast — beim Hort, bei der Betreuenden Grundschule, bei der FGTS —, zahlst du. Wo es nur eine Anmeldung an der Schule gibt, meist nicht.
Zweitens sagt die Spalte „kostenfrei“ wenig darüber, was am Monatsende auf dem Kontoauszug steht. In Rheinland-Pfalz ist die Ganztagsschule beitragsfrei — aber von 869 Grundschulen mit Ganztagsangebot führen 506 die kostenpflichtige Betreuende Grundschule. Und in Mecklenburg-Vorpommern ist die Betreuung gratis, das Essen nicht.
Die genauen Regelungen für dein Bundesland findest du in unserem Schulfinder für alle 16 Bundesländer.
Wie hoch sind die Mittagessen-Kosten konkret?
Wo pro Mahlzeit abgerechnet wird, sind Beträge zwischen 3 und 5 Euro üblich — bei regelmäßiger Teilnahme also 60 bis 100 Euro im Monat. Viele Schulträger staffeln nach Familieneinkommen.
Diese Spanne gilt allerdings nicht überall, denn die Abrechnungslogik selbst unterscheidet sich:
- Pro Mahlzeit — der Regelfall in den meisten Ländern
- Als Monatsbeitrag — in Bremen 45 Euro an gebundenen und 60 Euro an offenen Ganztagsgrundschulen, unabhängig von der Zahl der Mahlzeiten
- Gar nicht — in Berlin ist das Mittagessen für alle Kinder der Klassen 1 bis 6 kostenfrei, ohne Zuzahlung und ohne Einkommensprüfung
Rechne deshalb nie mit einer Zahl aus dem Internet, sondern lass dir die volle Monatsrechnung zeigen — Betreuung, Essen und Zusatzposten zusammen.
Welche Qualitätsstandards für das Schulessen gelten, wie Allergien berücksichtigt werden und welche Fragen du vor der Anmeldung stellen solltest, steht in unserem Ratgeber zum Mittagessen an der Ganztagsschule.
Ermäßigungen und Unterstützung für Familien
Einkommensschwache Familien müssen die Mittagessen-Kosten nicht alleine tragen. Über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) können Familien mit geringem Einkommen — etwa beim Bezug von Bürgergeld, Wohngeld oder Kinderzuschlag — eine vollständige oder teilweise Kostenübernahme für das Mittagessen beantragen. Der Antrag läuft über das zuständige Jobcenter oder Sozialamt; wie du ihn stellst, erklären wir Schritt für Schritt unter BuT-Antrag stellen. Welche Behörde für deinen Ort zuständig ist, findest du mit unserem Zuständigkeitsfinder heraus.
Zusätzlich bieten viele Kommunen eigene Ermäßigungsmodelle mit gestaffelten Beiträgen nach Einkommen an — wie in Hamburg, wo die Gebühren in fünf Stufen von 20 bis 100 Prozent gestaffelt sind. Häufig gibt es außerdem Geschwisterrabatte. Es lohnt sich, direkt bei der Schule oder dem Schulträger nachzufragen; welche Modelle üblich sind und wie du sie beantragst, steht unter Beitragsermäßigung beantragen.
Die Kosten, die in keiner Übersicht stehen
Die Beträge, mit denen Familien nicht rechnen, stehen selten in den Anmeldeunterlagen. Vier davon tauchen immer wieder auf:
- Der Essensvertrag, der weiterläuft. Verpflegung wird vielerorts über einen eigenen Vertrag mit dem Caterer abgewickelt. Wer die Betreuung kündigt und diesen Vertrag übersieht, zahlt weiter — unter Umständen monatelang für Mahlzeiten, die niemand isst. Prüfe, ob Betreuung und Verpflegung bei dir in einem oder in zwei Verträgen geregelt sind.
- Beiträge unabhängig von der Nutzung. Im Saarland etwa fällt der Beitrag an, ob der Platz genutzt wird oder nicht. Krankheit, Urlaub oder ein Kind, das freitags lieber nach Hause geht, ändern daran nichts.
- Geschwisterermäßigung, die nicht gilt. In Sachsen-Anhalt zahlen Familien für jedes Hortkind den vollen Beitrag — anders als bei Krippe und Kindergarten. Grund ist die Herkunft der Mittel: Die eingesetzten Bundesmittel dürfen nur für Kinder bis zur Einschulung verwendet werden.
- Ferien und Randzeiten als eigene Posten. Sie werden fast überall getrennt berechnet, oft wochenweise. In Hamburg werden die Kosten dafür über zwölf Monatsraten geglättet — der Betrag taucht also auch dann auf, wenn gerade keine Ferien sind.
- Wer bei getrennten Eltern zahlt. Die Kommune stellt die Rechnung nur einem Elternteil — meist dem mit der Hauptwohnung des Kindes. Wie sich der Beitrag intern zwischen den Eltern aufteilt, regelt keine Satzung, sondern der Kindesunterhalt. Mehr dazu unter Ganztagsschule im Wechselmodell.
Entlastungen, die kaum jemand nutzt
Umgekehrt gibt es Ansprüche, die regelmäßig liegen bleiben — weil sie an einer Stelle stehen, an der niemand sucht.
Wohngeld und Kinderzuschlag lösen mehr aus als nur Geld. In Nordrhein-Westfalen sehen die kommunalen Satzungen für die Dauer des Leistungsbezugs eine vollständige Befreiung vom OGS-Elternbeitrag vor — nicht nur bei Bürgergeld, Sozialhilfe und Asylbewerberleistungen, sondern ausdrücklich auch bei Wohngeld und Kinderzuschlag. Viele Familien mit kleinem Einkommen haben darauf Anspruch, ohne ihn zu nutzen, und verschenken damit gleich zweimal.
Landesspezifische Töpfe neben dem Bildungspaket. Rheinland-Pfalz betreibt einen eigenen Sozialfonds, über den der Elternanteil am Mittagessen ermäßigt werden kann — mit einem gesonderten Antrag, den Schule oder Schulträger ausgeben. Er wird oft übersehen, weil er neben dem Bildungs- und Teilhabepaket steht und nicht darin aufgeht.
Der Erlass nach § 90 SGB VIII. Unabhängig von allen Satzungen kann ein Beitrag auf Antrag ganz oder teilweise erlassen werden, wenn die Belastung im Einzelfall nicht zuzumuten ist. Das ist kein Gnadenakt, sondern ein gesetzlicher Anspruch — zuständig ist die wirtschaftliche Jugendhilfe des Jugendamts.
Kosten gebundene Ganztagsschule vs. offene Ganztagsschule
Ein wichtiger finanzieller Vorteil der gebundenen Form: Da sie rechtlich nicht als reine Betreuungsleistung gilt, fallen für die Pflichtzeiten in der Regel keine Elternbeiträge an. Bei der offenen Ganztagsschule (OGS) können dagegen — je nach Bundesland und Kommune — monatliche Gebühren für die Nachmittagsbetreuung erhoben werden, die mehrere hundert Euro betragen können, etwa in Nordrhein-Westfalen. Wer also primär auf die Kosten achtet, fährt mit der gebundenen Form oft günstiger.
Ein Punkt, der dabei gern übersehen wird: Wer sein Kind im offenen Ganztag anmeldet, bindet sich meist für ein Schuljahr — die Beiträge laufen also auch dann weiter, wenn das Kind nicht mehr teilnimmt. Welche Fristen dabei gelten, steht unter Abmeldefrist und Kündigung zum Halbjahr.
Was für und gegen den gebundenen Ganztag spricht, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengetragen: Vor- und Nachteile der gebundenen Ganztagsschule.
Kosten an weiterführenden Schulen
Die Angaben auf dieser Seite beziehen sich überwiegend auf die Grundschule. Ab Klasse 5 ändert sich die Lage: Der Rechtsanspruch endet, und damit verschieben sich auch die Zuständigkeiten und Kostenstrukturen. Einen eigenen Überblick dazu gibt unser Artikel zu den Kosten des Ganztags an weiterführenden Schulen.
Häufige Fragen zu Kosten der gebundenen Ganztagsschule
Ist die gebundene Ganztagsschule komplett kostenlos?
Das Kernprogramm — also Unterricht, Lernzeiten und die Pflichtbetreuung — ist in fast allen Bundesländern kostenlos, da es rechtlich als Teil des regulären Schulbetriebs gilt. Lediglich für das Mittagessen sowie eventuelle Randzeiten- und Ferienbetreuung können Kosten anfallen.
Wie viel kostet das Mittagessen an der gebundenen Ganztagsschule?
Wo pro Mahlzeit abgerechnet wird, sind 3 bis 5 Euro üblich — etwa 60 bis 100 Euro im Monat. Die Abrechnung unterscheidet sich aber grundlegend: Bremen erhebt einen Monatsbeitrag von 45 beziehungsweise 60 Euro, in Berlin ist das Essen für die Klassen 1 bis 6 ganz kostenfrei. Viele Schulträger staffeln zusätzlich nach Einkommen.
Kann ich Unterstützung für die Mittagessen-Kosten beantragen?
Ja, über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) können einkommensschwache Familien eine vollständige oder teilweise Kostenübernahme für das Mittagessen beantragen. Der Antrag läuft über das zuständige Jobcenter oder Sozialamt. Unabhängig davon bieten viele Kommunen eigene einkommensabhängige Ermäßigungen an.
Welches Bundesland hat die günstigste gebundene Ganztagsschule?
Am günstigsten kommen Familien in Mecklenburg-Vorpommern weg: Dort ist die Betreuung einschließlich Ferienhort beitragsfrei — das Mittagessen zahlen Eltern aber trotzdem. In Berlin ist das Essen für die Klassen 1 bis 6 kostenfrei, die Betreuung bis Klasse 3. Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen bieten ein kostenloses schulisches Angebot mit kostenpflichtigem Mittagessen. Am teuersten wird es dort, wo ein Betreuungsvertrag dazukommt — beim Hort oder bei der OGS in Nordrhein-Westfalen.
Was kostet die Ganztagsschule in meinem Bundesland?
Das schulische Angebot ist in den meisten Ländern beitragsfrei. Bezahlt wird dort, wo ein Betreuungsvertrag besteht — beim Hort, bei der Betreuenden Grundschule in Rheinland-Pfalz, bei der OGS in Nordrhein-Westfalen oder bei der FGTS im Saarland. Die Tabelle oben zeigt alle 16 Länder im Vergleich; maßgeblich ist am Ende die Satzung deiner Kommune.
Gibt es Beitragsfreiheit bei Wohngeld oder Kinderzuschlag?
In Nordrhein-Westfalen ja: Die kommunalen Satzungen befreien für die Dauer des Leistungsbezugs vollständig vom OGS-Elternbeitrag — bei Bürgergeld, Sozialhilfe, Asylbewerberleistungen sowie ausdrücklich auch bei Wohngeld und Kinderzuschlag. In anderen Ländern gelten eigene Regeln; unabhängig davon kann der Beitrag nach § 90 SGB VIII auf Antrag erlassen werden.
Muss ich weiterzahlen, wenn mein Kind nicht mehr teilnimmt?
Im offenen Ganztag in der Regel ja, bis die Abmeldung wirksam wird — die Anmeldung bindet meist für ein Schuljahr. Prüfe die Kündigungsfrist in deinem Betreuungsvertrag und in der Satzung deiner Kommune, bevor du von einem Ausstieg ausgehst.






